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Sonntag | Nr. 20 | 18. Mai 2008
Trend: Hochzeit im Freien
Immer mehr Paare geben sich das Jawort in der Natur – jetzt denkt die Kirche über Leitlinien nach
Weil Gemeindepfarrer meist nur in der Kirche trauen, wandern viele Brautpaare ab. Davon profitieren die freien Theologen in der Schweiz.
«Es gibt derzeit so viele Anfragen für
Hochzeiten, dass meine Kollegen und
ich sie gar nicht alle bewältigen können
», sagt Gisula Tscharner, eine freie
Theologin aus Feldis GR. Das bestätigt
auch Arthur Bowler, ein freier Theologe
aus Niederglatt ZH. «Ich habe im Moment
jedes Wochenende bis zu drei
Trauungen», sagt er und fügt an: «Und
fast jeden Tag kommen neue Anfragen
von Heiratswilligen hinzu.»
In diesem Jahr wird Arthur Bowler
mehr als 40 Paare trauen, die Hälfte davon
im Freien. Auf einer sattgrünen
Wiese, einer Lichtung im Wald oder am
Ufer eines kleinen Sees. Paare, die es
sich leisten konnten, haben Bowler
auch schon an Strände in Frankreich
und Italien einfliegen lassen. «Die Menschen,
die zu mir kommen, suchen Besinnlichkeit,
Rituale und Humor», sagt
Bowler. «Sie möchten eine Trauzeremonie,
aber oft nicht in einer Kirche.»
DAS BEOBACHTEN AUCH Hochzeitsplaner:
«Immer mehr Brautpaare wollen
sich heute nicht mehr in der Kirche,
sondern unter freiem Himmel trauen
lassen», sagt Hochzeitsplanerin Martina
Bauer aus Kloten ZH. Und ihre Kollegin
Evelyne Schärer von der Firma
«Your perfect day» aus Zürich weiss:
«Die Nachfrage nach Trauungen im
Freien ist in den letzten Jahren stetig
gestiegen.»
Schärer vermutet: «Das kommt daher,
dass man diese Art von Zeremonie
immer wieder in Hollywood-Filmen
sieht.» Und nicht nur dort: Am Samstag
vor einer Woche hat Jenna Bush, die
Tochter von US-Präsident George W.
Bush, ihrem Liebsten Henry Hager im
Garten der Familien-Ranch in Texas das
Jawort gegeben.
In der Schweiz können die meisten
Gemeindepfarrer Brautpaaren den
Wunsch nach einer Hochzeit unter
freiem Himmel nicht erfüllen. «Grundsätzlich
gibt es bei uns keine Trauungen
im Freien. Der Traugottesdienst findet in
der Kirche statt», sagt Nicolas Mori von
der Reformierten Landeskirche im Kanton
Zürich. Nur wenn Braut und Bräutigam
plausibel machen könnten, dass es
für sie von elementarer Bedeutung sei,
im Freien zu heiraten, könnten die Pfarrer
eine Ausnahme machen. Etwa, wenn
beide Partner Bergführer sind und sich
bei der Arbeit kennen gelernt haben.
DOCH NUN WERDEN in der Kirche Stimmen
laut, die fordern, diese harte Haltung
zu überdenken: «Wie man mit
dem Thema Trauung ausserhalb der Kirche
umgeht, muss bewusster diskutiert
werden», sagt Frank Worbs von der Reformierten
Landeskirche Aargau. «Es
wäre sinnvoll, wenn die Pfarrerinnen
und Pfarrer Leitlinien hätten, wie sie in
solchen Fällen vorgehen sollen.»
Auch andere Kirchenvertreter sind
der Meinung, man solle offener mit
dem Thema Hochzeit im Freien umgehen
– damit man die Mitglieder nicht in
die Arme der freien Theologen treibe.
Die verlangen schliesslich Geld für eine
Dienstleistung, die die Kirche ihren Mitgliedern
gratis anbietet. Ein freier Theologe
hingegen verlangt für eine Trauzeremonie
inklusive Spesen gut und
gerne 2000 Franken.
VON KATIA MURMANN
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